Zum Workshop treffen sich Drachenfreunde
aus dem Norden jedes Jahr bei Kalle in Leteln

Männer an die Maschinen: Jörg Heiland (von links), Hans-Friedel Twelsing, Holm
Struck und Peter Schmidt nähten zwei Tage an ihren neuen Drachen. Foto: Langenkämper
Von Jürgen Langenkämper
Minden-Leteln (mt). Drei Nähmaschinen rattern. Das Trio an den Nadeln -
alles Männer. Das ganze Wochenende schon über hocken sie zusammen und sind
fleißig. Vorzeigbare Ergebnisse: elf stabile Drachen, X-Boxen getauft. In grün,
schwarz, blau und pink warten sie nur darauf, am Sonntagmorgen in den
Winterhimmel über Minden aufzusteigen.
"Bereits zum siebten Mal, immer am zweiten Wochenende des neuen Jahres,
treffen wir uns bei Kalle, um Erfahrungen aus vielen Drachenfesten des
vergangenen Jahres auszutauschen", sagt Hans-Friedel Twelsing, einer der
Organisatoren des Treffens. Der Gastgeber, Karl-Heinz "Kalle" und
Antje Brockmann, stellen ihr Haus in Leteln dann für einen Kreis von
eingeschworenen Drachenfreunden zur Verfügung.
Teilnehmer kommen aus ganz Norddeutschland
Die Teilnehmer kommen aus dem gesamten norddeutschen Raum, aus Eckernförde,
Stade, Wolfenbüttel, Bünde, Bückeburg und Minden. Andere Dauergäste
vorhergehender Workshops, aus Berlin und selbst aus Dänemark, sind in diesem
Jahr verhindert. Um alle unterzubringen, sind einige mit Wohnwagen angereist -
den frostigen Temperaturen zum Trotz.
"Wir haben alle mit einfachen Haushaltsmaschinen angefangen",
berichtet Brockmann. "Heute nähen wir unseren Frauen die Röcke um",
sagt Twelsing. Und für ihre Leidenschaft nehmen die Drachenbauer einiges auf
sich. "Jetzt liegen zu Haus schon Sachen zum Flicken bereit, wenn ich
heimkomme", erzählt Holm Struck aus Stade. "Danach erst darf ich
anfangen, für Drachen zu nähen."
Heinz Pieper aus Bückeburg und Stefan Heiland aus Bünde schneiden in einem
Nebenraum das Material zurecht. Für die kleine Serienfertigung des Teams haben
sie eigens Schablonen angefertigt. Verarbeitet werden bei diesem Workshop fünf
Quadratmeter Spinnaker, fast neun Meter Kohlefaserstangen und viele Hundert
Meter Garn. Dafür sind die geflügelten Drachenboxen hinterher für mittlere
und starken Windstärken geeignet. Und wie üblich werden die Produkte des
Workshops zum Abschluss erst im Letelner Feld und hinterher auf Kanzlers Weide
auf ihre Flugtauglichkeit getestet.
Bei der Handarbeit bleibt auch Zeit und Gelegenheit für Gespräche. So dient
der Workshop auch als Infobörse - zum Beispiel darüber, wo gerade günstig
eine vielseitige und robuste Nähmaschine günstig zu haben ist. Aber gewisse
Ansprüche stellen die Männer an den Nadeln schon: Ein halbprofessionelles Gerät
mit Ober- und Untertransport muss es schon sein. Und so setzt sich Gastgeber
Kalle mit Michael "Kohle" Kohlstedt kurzerhand ins Auto und fährt mit
ihm nach Rinteln, wo es eine taugliche Maschine geben soll. "597 Euro - ein
Schnäppchen", sagt der Wolfenbütteler und greift zu.
Für die Mindener Organisatoren-Duo dient der gemeinsame Großauftritt an der
Weser auch dazu, die heimische Drachenszene neu zu beleben, nachdem im Vergleich
zu früheren Jahren etwas Ruhe eingekehrt ist. Natürlich hätte auch das
Hochwasser die Drachenfreunde nicht vom abschließenden Schaufliegen abgehalten.
"Dann hätten wir uns einen anderen Platz gesucht", sagt Twelsing.
Jedes Jahr ein neues Objekt zum Basteln
Kennen gelernt haben sich die Drachenfans 1996 auf der dänischen Insel Rom.
Seit 1997 treffen sie sich jedes Jahr in Leteln unter einem wechselnden Motto.
So bastelten sie bisher ebenso seltsame wie kunterbunte Fluggeräte mit Namen
Cross- Deck, Feuervogel, Sichel, Stern, Kastendrachen mit Flügeln und Nappo. Im
vergangenen Jahr stellten sie vier bis fünf Meter hohe Fahnen her, auch am
vergangenen Wochenende an der Muttkuhle aufgebaut, sichtbares Zeichen dafür,
welche Leidenschaft die Workshop-Teilnehmer regiert.
Auch wenn einige der Drachenbauer im Laufe des Jahres noch an weiteren
Werkstatt- Treffen ihrem Hobby frönen - Struck zeigt den Bau von Drachen mit
historischem Material, Peter Schmidt, der Schwabe aus Schleswig-Holstein mit
eigener Homepage, fliegt in die USA - steht für sie alle der
wegen seiner Atmosphäre und Kontinuität im Terminkalender fest. "So beständig
gibt es nur diesen", sagt Jörg Heiland aus Bünde.
Weitere Infos über den Workshop und andere Drachenveranstaltungen im
Internet unter:
www.schmidts-pit.de und
www.bei-kalle.de
Copyright by Mindener Tageblatt / mt-online.de 13.01.2003
Achtung: Artikel, Fotos und sonstige Informationen aus dem
MINDENER TAGEBLATT / MT-ONLINE
sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nicht ohne Einwilligung der Chefredaktion
verwandt werden.